Auf Augenhöhe mit Politprominenz

15. September 2017  Bundestagswahl 2017, Presse, Redaktion

Von Politikverdrossenheit ist bei der Waldstetter Jugend nichts zu spüren. 350 Einladungen waren an die Jungwähler der Gemeinde verschickt worden, für 60 Personen wurde der Bürgersaal bestuhlt, am Ende saßen die jungen Leute sogar auf dem Boden, um die von Bürgermeister Michael Rembold angekündigten „spannenden Themen“ und die dazugehörigen Stellungnahmen der Politprominenz zu verfolgen. Markus Bosch, der Vorsitzende des Waldstetter Jugendbeirats, moderierte die Diskussionsrunde mit den Bundestagskandidaten Melanie Lang von Bündnis 90/Die Grünen, Alexander Relea-Linder von den Linken, Daniel Lindenschmid von der AfD, Norbert Barthle von der CDU und Christian Lange von der SPD. Der Kreisvorsitzende Christian Müller vertrat die FDP. Die Podiumsdiskussion thematisiere vor allem Themen, die die Jugend betreffen, meinte Bosch. Ein Gegenstand der Diskussion war die kürzlich beschlossene Homo-Ehe. Lange ist der Ansicht, „alle haben gewonnen, niemand etwas verloren, es gibt nun keine Liebe zweiter Klasse“. Barthle vertrat den Standpunkt, „eine Ehe besteht aus Mann und Frau“, Kinder, die von Mutter und Vater erzogen werden, hätten ungleich mehr Chancen, um „eine bessere Vielfalt des Lebens zu erkennen“. Dem widersprach Lang von den Grünen: „Egal aus welcher Konstellation die Ehe besteht, Familie muss Liebe und Vertrauen geben“. Die Grünen seien für eine Gleichstellung für alle. Die Ansicht teilt Relea-Linder von den Linken. Besorgt zeigte sich der Vertreter der AfD, der die traditionelle Form der Ehe bedroht sah. „Als nächstes kommt dann die Viel-Ehe“, mutmaßte Lindenschmid.

Die Abschaffung der doppelten Staatsbürgerschaft für Kinder von Migranten war ein weiteres Thema. Für Barthle ist die Staatsangehörigkeit ein „Bekenntnis zum Staat“. Auch Müller lehnt die doppelte Staatsbürgerschaft ab: „Irgendwann muss das Identitätsgefühl abgeschlossen sein“. Lindenschmid sieht in der doppelten Staatsbürgerschaft einen Loyalitätsverlust Deutschlands gegenüber.

Eine bundesweit flächendeckende Digitalisierung und Versorgung mit Breitband wurde, wenn auch aus unterschiedlichen Sichtweisen, von allen Vertretern angestrebt. Bildung und Studiengebühren für nicht EU-Bürger war ein kontrovers diskutiertes Thema. Während Lindenschmid ein sinkendes Bildungsniveau unter Rot/Grün kritisierte, war Relea-Linder für die Wiedereinführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger, da deutsche Studenten im Nicht-EU-Ausland ebenfalls Gebühren zahlen müssen. Die SPD steht auf dem Standpunkt, die kostenlosen Studien „rauben den deutschen keine Bildung“, sagte Lange. Die CDU ist der Ansicht, die vom Steuerzahler bezahlte Ausbildung für Ausländer sei nicht sozial, so Barthle. Derweil forderte Müller von der FDP eine Anhebung von Stipendien für die betroffenen Nationen.

Den CO2-Ausstoß bis 2030 um 42 Prozent zu senken, wird laut Barthle „schwer zu schaffen sein“. Relea-Lindner unterstellte der CDU „Klüngeleien zwischen Politik und Automobilindustrie im Abgasskandal“. Lange verwies dazu auf die Ermittlungen, die derzeit gegen die Konzerne laufen. Melanie Lang pocht darauf: „Wir starten keine Anti-Diesel-Kampagne, wir wollen saubere Autos.“

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© Gmünder Tagespost 14.09.2017 23:02