An 30er-Zonen scheiden sich die Geister

Sebastian FritzDie Stadt hat in der Kernstadt und in den Stadtteilen Anwohner zu Verkehr und Wohnen befragt. Wünsche und Kritik der Bürger betrafen dabei insbesondere Verkehr und Lärm. Viele Anwohner schlugen Geschwindigkeitsbegrenzungen vor. Darüber diskutierten am Mittwoch Gmünds Stadträte. Teilweise kontrovers.

Schwäbisch Gmünd. Für Bürgermeister Dr. Joachim Bläse sind die Ergebnisse und Vorschläge ein Zwischenstand.

Das Besondere an diesen: Sie sind Vorschläge aus der Sicht der Anwohner. Die, die am häufigsten auftauchen, sind Geschwindigkeitsreduzierungen von 50 km/h auf 40 oder 30 km/h, Lastwagenverbote, Verringerung des Verkehrsaufkommens, Querungshilfen, Verkehrszählungen oder Straßensanierungen.
Die Verwaltung sei mit den Vorschlägen in den Ortschaftsräten gewesen und habe sie auch mit dem Agenda-Arbeitskreis Mobilität und Verkehr diskutiert, sagte Bläse. An einem Beispiel machte er deutlich, dass die Umsetzung solcher Vorschläge Reaktionen auslöst. Seit die Geschwindigkeit in der Wetzgauer Ortsdurchfahrt auf 30 Kilometer in der Stunde verringert wurde, gab es dazu viele Leserbriefe und Diskussionen. Die Straßenverkehrsordnung gebe 50 Stundenkilometer in Ortschaften vor, deshalb müsse eine Beschränkung gut begründet sein, um gerichtsfest zu sein. Was Bläse damit meint: Die Begründung für die 30er-Zone muss einem Widerspruch standhalten, wenn ein Fahrer einen Bußgeldbescheid bekommt und Beschwerde einlegt. Denn, dies machte Bläse deutlich, es werde nie so sein, dass alle mit Veränderungen zufrieden sind.
Dem stimmte Christian Baron (CDU) noch zu. Allerdings: Ihm dränge sich der Eindruck auf, dass die Interessen der Anwohner übergewichtet seien. Denn die „30-Zoneritis“ führe nicht zu weniger Verkehr, diese Diskussion sei oft verzerrt, sagte Baron. Die Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern in Ortschaften sei nichts Schlimmes, sagte Baron, er bekenne sich dazu.
Die Stadtverwaltung wolle Gmünds Attraktivität steigern, er und der OB seien viel unterwegs, sagte dazu Bläse. Dabei erfahren sie: „Was die Leute bewegt, sind Lärm und Verkehr.“ Verkehr sei überall ein Riesenthema, sagte auch OB Richard Arnold. Bundesweit ginge die Tendenz Richtung 30 Stundenkilometer in Ortschaften, denn der Verkehr werde immer dichter und die Fülle der Fahrzeuge habe zugenommen. Deshalb sei es „wirklichkeitsfremd, da einen anderen Weg einzuschlagen“, sagte Arnold. Wer anderer Meinung sei, könne sich bewerben, wenn 2017 die Karten neu gemischt werden, wenn Baubürgermeister, Erster Bürgermeister und Oberbürgermeister gewählt würden.
Ihr sei nicht bewusst gewesen, dass dies hier ein Bürgermeisterbasar sei, sagte dazu Sigrid Heusel (SPD). Die Vorlage mit den Anregungen und Vorschlägen sei ausgewogen. Sie riet dazu, mit den Bürgern so zu verhandeln, dass „egoistische Bedürfnisse“ außen vor blieben.
Er spinge der Verwaltung bei, sagte Alexander Schenk (B 90 / Grüne). Der Dialog mit den Bürgern sei richtig. Ohnehin: Dort, wo 50 Stundenkilometer vorgegeben seien, führen die Leute 60. „Viel Sachverstand“ sah auch Werner Nussbaum (Bürgerliste) in der Vorlage, die nun „ohne Emotionen“ geprüft werden müsse. Für Straßdorf verwies er auf die Notwendigkeit einer Ortsumgehung. Auch Karin Rauscher (FWF) begrüßte den Dialog mit Bürgern, denn Anwohner und Fußgänger seien das schwächste Glied in der Kette. Dass sich durch 30er-Zonen Verkehr nicht verringern lasse, sagte Sebastian Fritz. Doch er lasse sich erträglicher gestalten. In Wetzgau gebe es auch positive Stimmen zu Tempo 30.