Amazon kommt nicht nach Gmünd

Die Gmünder Stadtverwaltung wird keine weitergehenden Gespräche mit der Firma Amazon über die mögliche Ansiedlung eines Verteilzentrums führen. Ein Antrag der Verwaltung, ihr grünes Licht für solche Gespräche zu geben, fand am Mittwochabend im zuständigen Ausschuss keine Mehrheit.

Die wesentlichen Argumente der Gegner der Ansiedlung: Die Fläche von bis zu 30 000 Quadratmetern wäre zu groß für einen Betrieb mit rund 100 Mitarbeitern. Auch der erwartete zusätzliche Fahrzeugverkehr spielte eine Rolle, ebenso wie negative Berichte über die Arbeitsbedingungen bei Amazon.

Dabei hatte Amazon-Repräsentant Thorsten Freers das Unternehmen, das weltweit mehr als 300 Millionen Kunden beliefert und sehr viele Kunden in Gmünd habe, dessen Pläne sehr positiv vorgestellt. Gmünd sei in der engeren Auswahl als Standort für eines der Verteilzentren. von Amazon. Dort würden, so Freers, 100, in Spitzenzeiten 175 Arbeitsplätze auch für Menschen ohne Ausbildung entstehen. Der Lohn, den diese Mitarbeiter bekommen, sei in der Logistikbranche „am oberen Ende“, hinzu kämen sonstige Leistungen. Das Verteilzentrum würde Steuern an die Stadt Gmünd entrichten. Freers betonte das nachhaltige Engagement von Amazon und legte die erwarteten Fahrzeugbewegungen dar.

Amazon hat ein Imageproblem und auch ein wirkliches Problem.

Richard Arnold,
Oberbürgermeister

Investitionen am Standort Gmünd seien grundsätzlich positiv, dennoch herrsche in der CDU-Fraktion „einige gewisse Skepsis“, gab Stadtrat Christian Baron zu Protokoll. Einige Argumente sprächen für Amazon. „Absolut grenzwertig“ sei jedoch das Verhältnis der in Aussicht gestellten Arbeitsplätze zu der benötigten Fläche. Die CDU könne weiteren Gesprächen nur zustimmen, wenn verschiedene Fragen geklärt seien. Entscheidend sei dabei die Lage: Einer Ansiedlung im Gewerbegebiet Gügling würde die CDU keinesfalls zustimmen. Offene Fragen sah auch der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Gabriel Baum. Zum Beispiel die nach dem sozialen Engagement der Firma vor Ort und der Nachhaltigkeit. „Wir haben nicht endlos Flächen“, erinnerte Baum. Unterm Strich müsste Gmünd nach Überzeugung der Grünen zu viele Kröten schlucken. Sie lehnten weitere Verhandlungen ab.

Alessandro Lieb begründete die Ablehnung der SPD-Fraktion. Wie andere Fraktionen auch befürchteten die Sozialdemokraten eine Schwächung des örtlichen Einzelhandels durch den Konzern. Zudem entstünden keine qualifizierten Arbeitsplätze und seien durch weiteren Robotereinsatz auch gefährdet. Linke-Stadtrat Alexander Relea-Linder verwies auf Berichte über miserable Arbeitsbedingungen bei Amazon. Zudem stimme das Verhältnis von Fläche und Arbeitsplätzen nicht. Oberbürgermeister Richard Arnold stellte, an die Konzern-Vertreter gewandt, fest: „Amazon hat ein Imageproblem und auch ein wirkliches Problem.“ Allerdings ging er auch auf die Vorschläge verschiedener Stadträte ein, doch lieber Unternehmen aus dem Großraum Stuttgart anzusiedeln, ein: Es gebe derzeit keinerlei Nachfrage aus Stuttgart. Auch wenn Amazon den Einsatz von E-Fahrzeugen in Aussicht stelle: Sie würden die Straßen trotzdem belasten, stellte die Sprecherin der FWF-Fraktion, Karin Rauscher, fest. Auch sie sah unterm Strich viele Argumente gegen eine Ansiedlung von Amazon.

Alexander Hamler (BL) sah in der positiven Selbstdarstellung des Konzerns durchaus problematische Punkte. Völlig ungeklärt sei zum Beispiel die Frage der Ladeinfrastruktur für die E-Fahrzeuge. Die Bürgerliste wollte zumindest vor einer Entscheidung den Gmünder Einzelhandel und die Handwerker hören. Doch nachdem in der Abstimmung Gleichstand zwischen Gegnern und Befürwortern weiterer Gespräche herrschte, war die Entscheidung gegen Amazon gefallen.

© Gmünder Tagespost 04.12.2019 22:53