Am Zeiselberg scheiden sich die Geister der Stadträte

Schwäbisch Gmünd. Im Bauausschuss am Mittwoch (siehe auch „Wichtige Themen am Mittwoch“) wird möglicherweise von mehreren Fraktionen der Antrag eingebracht, dass auch die Bürgerinitiative (BI) Zeiselberg ihren Gegenvorschlag für das Gastronomie-Gebäude auf dem Bergsporn vorstellen darf. Gespräche darüber laufen. Eine Umfrage unter den Fraktionen zeigt aber, dass der Entwurf des Investors Andreas Kunz Zustimmung finden dürfte.

Die Bürgerinitiative Zeiselberg hatte den Architekten Roman Emberger beauftragt, ein Gegenmodell zu der Planung des Investors zu entwickeln, und dies am Wochenende vorgestellt. Doch das Giebelhaus kam zum Beispiel bei CDU-Stadtrat Thomas Kaiser nicht so gut an: „Wir wollten einen besonderen Bau dort, ein Highlight.“ Der Gemeinderat habe auch eine maximale Höhe für das Gebäude vorgegeben, die werde vom Giebeldach der BI überschritten. Doch am Mittwoch stehe ohnehin nur der Entwurf zur Debatte, den der Investor eingebracht hat. Nur wenn der seinen eigenen Entwurf zurückzieht und das BI-Modell zur Abstimmung stellt, werde der Gemeinderat darüber beraten. Eventuell wird die CDU beantragen, beim Investoren-Modell das Ausmaß der Dachaufbauten zu beschränken.

Konrad Sorg, Sprecher der SPD-Fraktion im Bauausschuss, stellt fest, dass die Bürgerinitiative versuche, den Antrag des Investors „schon im Vorfeld zu torpedieren“. Doch „wir halten uns an den Verfahrensablauf“. Am Mittwoch stehe im Bauausschuss der überarbeitete Plan des Investors zur Diskussion, nicht der der Bürgerinitiative. Den nehme die SPD zur Kenntnis, werde auch vor der Sitzung noch einen Vor-Ort-Termin haben. Wenn der Gemeinderat in der kommenden Woche dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan zustimme, werde der gemäß dem Verfahrensablauf ausgelegt; dann könnten die Bürger ihre Einwände einbringen.

„Bei aller Sympathie“: Es gebe nach jetzigem Stand niemand, der den Bau nach den Plänen der BI finanzieren würde, sagt der Fraktionsvorsitzende der Grünen, Gabriel Baum. Dabei sei Embergers Entwurf eine „baulich schöne Alternative“ zu dem Investoren-Entwurf, dessen Größe schon „enorm“ sei. Dessen Balkon krage stark über den Berg über und rage bis nahe an den Bürgerweg heran. Der Investoren-Entwurf sei, entgegen der Aussage des Oberbürgermeisters, im Verlauf der Planungsstadien nicht kleiner geworden, sondern größer. Die Bürgerinitiative werde ihr Modell an diesem Dienstagabend bei der Kreisversammlung der Grünen vorstellen.

Dass der Investoren-Entwurf nicht kleiner, sondern größer geworden ist, meint auch der Fraktionssprecher der Linken, Sebastian Fritz. Es sei inzwischen ein Gebäudekomplex, der weit über den Hang hinausrage. Das werde nicht nur von den Anwohnern, sondern von vielen Bürgern kritisch gesehen. Generell sei sehr bedauerlich, dass es für Bürger kaum noch Wege gebe, im Dialog mit der Stadtverwaltung zu konstruktiven Lösungen zu kommen. Fritz: „So kann man nicht mit der Bürgerschaft umspringen.“ Die Linke spreche mit anderen Fraktionen darüber, ob sie am Mittwoch einen Antrag stellt, den BI-Plan im Ausschuss vorzustellen. „Damit vergibt sich der Gemeinderat nichts.“

Auch Stadträtin Constanze Schwarzkopf-Streit (FWF) würde sich wünschen, dass alle Gemeinderäte die Vorstellung der BI hören können. Auch Roman Emberger habe alle Gastronomie-Räume auf einer Ebene liegen, wie es der Investor fordert. Doch mit seinem Entwurf werde der „Geist des Biergartens“ viel besser umgesetzt. Und auch nach ihrer Überzeugung ist der Investoren-Entwurf im Verlauf der Planung nicht kleiner geworden, sondern „sehr viel größer“. Sie könnte sich vorstellen, dass Investor Andreas Kunz Gefallen an den Plänen findet, zumal deren Giebeldach viel besser in die Stadtlandschaft passe als das geplante Flachdach. Schwarzkopf-Streit: „Wir möchten mit Kunz zusammenarbeiten.“

BL-Stadträtin Heidi Preibisch dagegen findet das Vorgehen der BI „zu forsch“, einen Gegenentwurf vorzustellen, bevor der zuständige Ausschuss des Gemeinderats noch über die aktuelle Fassung des Investoren-Entwurfs gesprochen hat. Nach der Entscheidung im Gemeinderat könnten die Nachbarn ihre Einwände einbringen. Der Zeiselberg soll aufgewertet worden, „und wir wollten dort eine zusätzliche Attraktion für Gmünd“, sagt Preibisch.

© Gmünder Tagespost 24.04.2018 00:42