Die Extra-Fahrbahn für Pedale

26. September 2016  Gemeinderat, Presse, Redaktion, Sebastian Fritz
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Der Fraktionssprecher der Linken im Gemeinderat, Sebastian Fritz, hier mit seiner achtjährigen Tochter Jule, fordert mehr Schutzstreifen für Radfahrer. (Foto: Tom)

Die mit gestrichelter Linie von der Fahrbahn abgetrennten Streifen für Radler sind für Rad- wie für Autofahrer positiv. Diese Erkenntnis hat das Gmünder Ordnungsamt aus den Streifen in der Goethe- und der Oberbettringer Straße gezogen. Nach Möglichkeit sollen die Streifen auch in anderen Straßen angelegt werden.

Schwäbisch Gmünd. „Eine deutliche Verbesserung“: So bewertet der Leiter des städtischen Ordnungsamtes, Gerd Hägele die so genannten Fahrradschutzstreifen, die die Stadt an der Oberbettringer und der Goethestraße angelegt hat. Die abgetrennten Streifen, die am Rand der Fahrbahn verlaufen, sollen den Radfahrern einen eigenen Verkehrsraum schaffen. Und das habe funktioniert, bewertet Hägele die Veränderung. Es sei zu einer Entzerrung des Verkehrs gekommen, die Vorteile für alle biete, die auf der Straße unterwegs sind.
Tatsächlich sei zu beobachten, dass Autofahrer einen größeren Abstand zu den Radlern am Fahrbahnrand halten. Gleichzeitig habe sich der Verkehrsfluss für die motorisierten Verkehrsteilnehmer verbessert, da die Radfahrer in der Regel nicht mehr mitten in den Spuren fahren. Trotz der abmarkierten Fahrradschutzstreifens reiche die verbleibende Fahrbahnbreite für sie noch aus. Eng könne es allerdings werden, wenn Busse oder Lastwagen zwischen Fahrrädern und Gegenverkehr durch müssen. Bislang aber sei dem Ordnungsamt noch kein Unfall in Zusammenhang mit den Schutzstreifen gemeldet worden.
Der Leiter des Ordnungsamtes stuft die Schutzstreifen als „gute Zwischenlösung“ ein: zwischen einer normalen Fahrbahn, die sich die Pedaleure mit den motorisierten Fahrern teilen müssen, und dem separaten Radweg, den die Radler auch nutzen müssen.
Wenn die Schutzstreifen so positiv sind, wird es dann bald mehr im Stadtgebiet geben? „Wir haben den Auftrag des Gemeinderats, die Schutzstreifen wo möglich anzulegen“, sagt Gerd Hägele. In Frage kommen dafür nur Straßen, auf denen mindestens 50 Stundenkilometer erlaubt sind. In Straßen mit Tempo 30 „schwimmen“ die Radler mit dem motorisierten Verkehr mit.
Zudem müssen die Fahrbahnen ausreichend breit sein, um die Schutzstreifen abzumarkieren. Ideal wäre es, wenn in solchen Straßen ohnehin Belagssanierungen anstehen. Ein konkretes Projekt kann Hägele schon nennen: „In der Buchstraße werden die Fahrradschutzstreifen 2017 kommen.“
Ein Problem allerdings bremst die Radler immer wieder: Falschparker, die die Schutzstreifen blockieren. Das bestätigt der Chef des Ordnungsamtes. Seine Kontrolleure seien angewiesen, in solchen Fällen „mit gesundem Menschenverstand“ zu agieren: Wenn Fahrzeuge für begrenzte Zeit auf den Rad-Streifen stehen, weil erkennbar etwas ein- oder ausgeladen wird, können die Vollzugsbeamten ein Auge zudrücken. Wenn allerdings keine Ladetätigkeit erkennbar ist, sollen sie den Parkverstoß konsequent ahnden. Hägele: „Das hängt vom jeweiligen Einzelfall ab.“
Wie funktionieren die separaten Pedal-Fahrbahnen in der Praxis? Erkenntnisse aus einem Selbstversuch in der Goethestraße:

Die Streifen, die den Radstreifen abteilen sollen, sind in weiten Teilen kaum noch zu sehen.

Ein auswärtiger Autofahrer fährt mindestens 500 Meter hinter mir her, ohne – trotz Gelegenheit – zu überholen; nervig.

Abbiegende Autofahrer verhalten sich vorbildlich, keine Probleme.

Auf dem stadteinwärts laufenden Streifen auf dem Gehweg fährt ein einbiegender Autofahrer weit vor, um die Verkehrssituation überblicken zu können. Zwischen Kühler und Randstein passe ich so graaaad noch durch.

Insgesamt: Die Autofahrer halten tatsächlich ausreichend Abstand zu mir. Allerdings war beim Selbstversuch weder ein Omnibus noch ein Lastwagen im Spiel.
Wer darf was auf dem Schutzstreifen?

Fahrzeuge dürfen auf dem Schutzstreifen bis zu drei Minuten halten.
Parken auf dem Streifen ist verboten. Wer sein Auto verlässt, parkt.
Kraftfahrer dürfen nur in Ausnahmefällen den Streifen überfahren, zum Beispiel, wenn sich zwei breite Fahrzeuge begegnen. Radler dürfen dabei nicht behindert werden.
Auch Radler dürfen den Streifen nur bei Bedarf nach links verlassen; auf jeden Fall, ohne den motorisierten Verkehr zu behindern.
Radeln entgegen der Fahrtrichtung ist nicht nur verboten, sondern auch gefährlich.
Radler auf dem Streifen dürfen rechts an einer Autoschlange vorbeifahren, zum Beispiel wenn die Autos vor einer Ampel warten. An der Haltelinie müssen allerdings auch die Radler anhalten.
Motorisierte Verkehrsteilnehmer sollten auch daran denken, dass Radler auf den Schutzstreifen an Kreuzungen und Einmündungen Vorfahrt haben.
Quelle: AGFK-BW und Ordnungsamt.
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© Gmünder Tagespost 19.09.2016 17:23